Die Tracht im Raum St. Georgen
Das Wort 'Tracht' stammt ab vom Wort 'tragen'. Das bedeutet, diese Kleidung wurde im Kirchspiel St. Georgen, das heisst in den Gemeinden St. Georgen, Buchenberg, Langenschiltach Mönchweiler, Oberkirnach, Brigach, Weiler und dem evangelischen Teil von Tennenbronn gegen Ende des 19. Jahrhunderts so getragen, wie auch Bilder aus der Zeit beweisen.
Die tracht im Überblick
Die ältesten bisher bekannten Aufzeichnungen über die Tracht in St.Georgen stammen aus dem Jahre 1795. Über Jahrhunderte hinweg bestimmte die vom Herzog von Württemberg erlassene Kleiderordnung die Art der Stoffe. Die Stoffe (Flachs und Schafwolle) wurden in ihren natürlichen Farben getragen. Später, als die höfische Mode aus Spanien eingeführt wurde und schwarz populär wurde, durften auch Stoffe gefärbt werden. Bei unserer Tracht haben sich dunkle Farben bis heute erhalten.
Die Frauentracht besteht aus einem Hippenhemd aus weißem Flanell oder leichtem Baumwollstoff, wobei die Ärmel in vier Millimeter breite Fältchen gelegt sind. Darüber zieht man die mit Samt besetzte Leibbrust. Der Rock ist aus schwarzem Wollstoff, der im Bund mehrfach gefältelt ist. Daran angenäht ist das Mieder. Es besteht ebenfalls aus schwarzem Wollstoff, gefüttert, mit farbig gemustertem Samt abgesetzt und als Schnürmieder mit Haken versehen. Das Brusttuch (Latz) ist aus Wollstoff, das mit farbigen Samtbändern und Glitzerband verziert wird. Die Farben des Samtes sind in blau, grün, schwarz, braun oder lila gehalten.
Ein aus Seidenstoff gefertigtes Goller wird um dem Hals getragen, das ebenfalls mit Glitzerborte verziert wird. Die Briesnestel besteht aus einem Samtband, das zum Schnüren des Mieders dient. Die Schürze ist aus Seide, mit schmalem Samtband eingefaßt, die mit schmalen Bändern um den Leib gebunden wird. Der Schauben (Jacke) ist aus Seide, mit wattiertem Baumwollstoff gefüttert, am Hals mit Samtband eingefaßt. Die Ärmel sind eng und an den Schultern etwas hochgezogen.

Die Frauentracht
Zur Kopfbedeckung gehört eine Kappe, wobei der Kappenboden aus farbigem oder schwarz besticktem Samt ist. Über die Stirn verläuft ein fein geriffeltes Ripsband. Die Kappe wird durch zwei Seidenbänder unter dem Kinn zu einer Schleife gebunden. In der hinteren Mitte befinden sich 2 schmale und 2 breite Seidenbänder, die ebenfalls zu Schleifen gebunden werden. Nach der Konfirmation wird der rote Rosenhut über der Kappe getragen. Nach der Heirat wird der Hut mit schwarzen Rosen getragen. Zur Frauentracht gehören außerdem weiße Strümpfe und schwarze Halbschuhe.
Der Schäppel mit Schäppelkragen
An Festtagen durfte das unverheiratete Mädchen den Schäppel (Brautkrone) tragen. An einem Drahtgestell sind die Schmuckteile befestigt, die aus vielen Stoffrosen, Glaskugeln, kleinen Spiegeln, Flitter, Glasperlen und Glaskugelketten bestehen. Diese Teile waren früher sehr wertvoll, so dass der Bauer zeigen konnte, wie reich er war.

Der Schäppel wird mit vier blauen oder schwarzen Baumwollbändern an den Zöpfen des Mädchens befestigt. Zwei lila gefranste Ripsbänder werden über die Ohren geführt und ebenfalls an den Zöpfen festgebunden. Ebenso gehört dazu: ein steif gestärkter, in viele Falten gelegter Schäppelkragen, ein Bukett aus farbigen Bändern und künstlichen Blumen sowie der Schäppelgürtel, der um die Hüfte getragen wird.
Männertracht, Brusttuch Die Männertracht besteht aus einem Brusttuch (Weste) aus Samt mit Tuchrücken in der Farbe schwarz. Unter dem Brusttuch wird ein leinenes, weißes Hemd getragen. Die Hose ist aus Hirschleder gefertigt, in der Form der heutigen Kniebundhose. Am Sonntag wurden weiße und am Werktag blaue wollene Strümpfe getragen. Als Kopfbedeckung hatte man den schwarzen, breitkrempigen Hut. Die jungen Burschen tragen bis zur Hüfte reichenden dunkelblauen Tuchkittel. Männertracht, Tuchktittel
Kindertracht Ältere Personen
Bilder: Junge Mädchen und ältere Frauen tragen nur das Käppchen. Ältere Männer tragen lange Hosen.

Nachfolgend einige Originalbilder unserer Tracht:
Hochzeitsgesellschaft
Bild: Hochzeit um 1910
Hochzeitsbild Trachtenträgerin in der Gegenwart
Bilder: Hochzeitsbild von Christian und Katharina Grießhaber, um 1895. Daneben: Katharina Grießhaber um 1960. Die Frau trug bis ins hohe Alter täglich ihre Tracht.
Linkes Bild: 3 Töchter von Christian und Katharina Grießhaber um 1920. Daneben: So würde das Bild heute aussehen. Die Tracht ist identisch.

Bilder

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tracht.htm Zuletzt geändert: 05-03-2002 Trachtenverein St. Georgen